Überblick
MDMA (3,4-Methylendioxymethamphetamin) und Amphetamin gehören strukturell zur Klasse der Phenethylamine, unterscheiden sich aber fundamental in ihrem Wirkmechanismus und ihren subjektiven Effekten. MDMA ist primär ein Empathogen, Amphetamin ein klassisches Stimulans.
Pharmakologie
Wirkmechanismus
Beide Substanzen wirken als Monoamin-Releaser — sie kehren die Transportrichtung der Monoamin-Transporter um und setzen Neurotransmitter aus den präsynaptischen Vesikeln frei.
- [MDMA](/substances/mdma): Primär Serotonin-Releaser via SERT. Zusätzlich Freisetzung von Dopamin (DAT) und Noradrenalin (NET), jedoch mit deutlicher Serotonin-Dominanz (SERT:DAT-Selektivität ~10:1).
- [Amphetamin](/substances/amphetamin): Primär Dopamin- und Noradrenalin-Releaser via DAT und NET. Geringere Serotonin-Freisetzung als MDMA.
Diese unterschiedliche Transporter-Selektivität erklärt den fundamentalen Unterschied im Wirkcharakter.
Pharmakokinetik
| Parameter | MDMA | Amphetamin |
|---|---|---|
| Wirkdauer | 3–5 h | 4–8 h |
| Wirkeintritt | 30–60 min | 20–40 min |
| Typische Dosis | 80–120 mg | 10–30 mg |
| Halbwertszeit | ~7 h | ~10 h |
| Metabolismus | CYP2D6 | CYP2D6 |
Subjektive Wirkung
MDMA
- Empathie und emotionale Offenheit
- Euphorie mit prosozialem Charakter
- Taktile Überempfindlichkeit
- Geringe Stimulation im Vergleich zu Amphetamin
- Milde visuelle Verstärkung bei hohen Dosen
Amphetamin
- Fokussierte mentale Stimulation
- Erhöhte Motivation und Leistungsbereitschaft
- Appetitsuppression
- Wachheit und Ausdauer
- Euphorie primär durch Dopamin-Freisetzung
Neurotoxizität
MDMA
MDMA besitzt ein nachgewiesenes neurotoxisches Potenzial für serotonerge Axone. Tier- und Humanstudien zeigen:
- Temporäre Reduktion der SERT-Dichte
- Potenzielle oxidative Schädigung serotonerger Terminale
- Risiko steigt mit Dosis, Frequenz und Hyperthermie
- «3-Monats-Regel» als Harm-Reduction-Empfehlung
Amphetamin
- In therapeutischen Dosen (ADHS-Behandlung) keine nachgewiesene Neurotoxizität
- Bei chronischem Hochdosis-Missbrauch: dopaminerge Schädigung möglich
- Geringeres akutes neurotoxisches Potenzial als MDMA bei Einzelanwendung
Risiken
| Risikokategorie | MDMA | Amphetamin |
|---|---|---|
| Serotoninsyndrom | Möglich (v.a. mit SSRI) | Selten |
| Hyperthermie | Erhöht | Leicht erhöht |
| Kardiovaskulär | Moderat | Erhöht |
| Abhängigkeit | Gering | Moderat–hoch |
| Neurotoxizität | Nachgewiesen (serotonerg) | Dosisabhängig (dopaminerg) |
Wechselwirkungen
- MDMA + Alkohol: Erhöhte Dehydratation und Kardiotoxizität. Siehe MDMA und Alkohol.
- Amphetamin + MAO-Inhibitoren: Hypertensive Krise möglich.
Therapeutische Anwendung
- MDMA: Breakthrough-Therapie-Status der FDA für PTBS-Behandlung. Klinische Phase-3-Studien mit vielversprechenden Ergebnissen.
- Amphetamin: Seit Jahrzehnten Standardtherapeutikum bei ADHS und Narkolepsie.
Häufige Fragen
Macht MDMA süchtig wie Amphetamin?
MDMA hat ein deutlich geringeres Abhängigkeitspotenzial als Amphetamin. Die Serotonin-Dominanz erzeugt weniger Verstärkungslernen als die Dopamin-dominierte Wirkung von Amphetamin.
Ist MDMA ein Amphetamin?
MDMA ist chemisch ein substituiertes Amphetamin (Methylendioxysubstitution), wirkt aber pharmakologisch fundamental anders — als Empathogen statt als klassisches Stimulans.